Die Vereinigten Staaten von Amerika

Die USA sind Deutschlands wichtigster militärischer Verbündeter und Handelspartner. Sie sind demokratisch und garantieren Sicherheit, Stabilität und Freiheit in der Welt. So oder so ähnlich ist die Sichtweise des politischen und medialen Mainstreams in Deutschland auf die USA. Doch schaut man genauer auf Zahlen und Fakten, entpuppen sich diese Behauptungen als falsch oder gar absurd.

China wichtigster Handelspartner Deutschlands

Tatsächlich ist die USA noch vor Frankreich und Groß-Britannien das wichtigste Exportland Deutschlands. Doch nimmt man Exporte und Importe zusammen, ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands China. An zweiter Stelle stehen Frankreich und erst an dritter die USA (vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Aussenhandel/Tabellen/RangfolgeHandelspartner.pdf?__blob=publicationFile).

Deutschland wichtigster militärischer Verbündeter der USA

Der Logik des Kalten Krieges folgend waren die USA und ihre Atomwaffen lange Zeit der Garant dafür, dass die Sowjetunion nicht in Westdeutschland einmarschierte. Ob diese Gefahr tatsächlich existierte oder vom Westen aufgebauscht wurde, sei dahingestellt. Doch nach dem Ende des Kalten Krieges ist Deutschland eher einer der wichtigsten militärischen Verbündeten der USA als umgekehrt. Denn mit der Ramstein Air Base und weiteren militärischen Einrichtungen in und um Kaiserslautern mit insgesamt 52.000 US-Militärangehörigen unterhalten die Vereinigten Staaten in Deutschland nicht nur den größten Militärstützpunkt außerhalb ihres eigenen Landes. Auch die völkerrechtswidrigen Einsätze im Irak und Afghanistan wurden und werden über diese Basis logistisch abgewickelt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserslautern_Military_Community). Die Ramstein Air Base spielt zudem eine zentrale Rolle im völkerrechtswidrigen Drohnenkrieg der USA in Afrika, Pakistan und Jemen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ramstein_Air_Base#Zentraler_Baustein_der_Kampfdrohnen-Eins%C3%A4tze).

Der Zustand der Demokratie in den Vereinigten Staaten

Die USA mögen zwar dem Papier nach die älteste durchgehende Demokratie sein. Doch wenn eine erfolgreiche Präsidentschaftskandidatur von milliardenschweren Spendengeldern von Unternehmen, der Finanzwirtschaft oder gar ausländischen Diktaturen abhängt, dann werden im US-amerikanischen Herrschaftssystem nicht mehr das Volk, sondern die Interessen potenter Wahlsponsoren repräsentiert (vgl. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/hillary-clinton-und-ihre-spender-deutschland-gehoert-dazu-13535492.html, http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-10/us-wahl-spenden-rekordhoehe-hillary-clinton-donald-trump). Am Ende hat das Volk in den USA die Wahl zwischen zwei Kandidaten, die von den reichsten Menschen und Organisationen aus den Vereinigten Staaten und anderen Teilen der Welt vorselektiert wurden. Dies sind eindeutige Hinweise darauf, dass die USA eine Oligarchie sind und keine Demokratie (vgl. https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/26/princeton-studie-als-warnung-an-europa-usa-sind-keine-demokratie-mehr/).

USA größter Aggressor in der Welt

Wer sich nur ansatzweise mit Geschichte beschäftigt, weiß, dass sich wirtschaftliche und militärische Macht einander bedingen. Es bedarf zudem nur eines simplen Aktes der Logik, um zu erkennen, dass in einem System, in dem militärische Gewalt das mächtigste Mittel zur Interessensdurchsetzung darstellt, dasjenige Land, das sich in seiner jeweiligen Epoche am gewalttätigsten verhält, den Rest seiner jeweiligen Einflusssphäre dominiert. Das Land, das die schlagkräftigste Armee besitzt und diese auch einsetzt, kann nicht nur Kontrolle über die für die jeweilige Epoche wichtigsten Ressourcen der Welt ausüben und sich somit wiederum die schlagkräftigste Armee leisten. Es kann auch andere Länder davon abhalten, einflussreiche Bündnisse zu bilden oder Zugriff auf die wichtigsten Ressourcen zu bekommen. Dass bei dem Einsatz militärischer Gewalt viele unschuldige Zivilisten sterben und sich daraus auch Widerstand in den angegriffenen Bevölkerungen entwickelt, ist eine Binsenweisheit.

Seit dem Zweiten Weltkrieg sind dieses Land unzweifelhaft die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie haben die bei weitem höchsten Militärausgaben (in den letzten zehn Jahren ca. 600 bis 760 Milliarden Dollar pro Jahr, vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/183059/umfrage/militaerausgaben-der-usa/) und verfügen über die schlagkräftigste Armee der Welt. Mit ihren derzeit 46 aktiven Hubschrauber- und Flugzeugträgern können sie als einzige Nation jedes Land der Erde innerhalb kürzester Zeit angreifen und bombardieren, bei Einsatz von atomaren Waffen sogar in Schutt und Asche legen. Ihre Streitkräfte sind in 147 von 195 Ländern der Welt offen und verdeckt im Einsatz (vgl. http://projectcensored.org/1-us-military-forces-deployed-seventy-percent-worlds-nations/). Sie verfügen derzeit je nach Schätzung über 700 bis 1.000 Militärbasen im Ausland, die jüngsten vornehmlich in und um die erdölfördernden Länder im Nahen und Mittleren Osten (vgl. http://www.washingtonsblog.com/2015/03/proof-russia-iran-want-war-look-close-put-countries-military-bases.html). Damit sind circa 95 % der militärischen Enklaven im Ausland in US-amerikanischer Hand (vgl. http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/861754). Seit ihrer Gründung vor 239 Jahren befinden sich die Vereinigten Staaten 222 Jahre in offenen und verdeckten Kriegen (vgl. http://www.washingtonsblog.com/2015/02/america-war-93-time-222-239-years-since-1776.html). Kein anderes Land der Erde kann auf eine derart militärische Vergangenheit in den letzten 200 Jahren zurückblicken.

Auch die Opferzahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Seit 1945 sind in den von den USA geführten Kriegen in den jeweiligen Kriegsgebieten je nach Schätzung zwischen 6 Millionen (vgl. https://www.journal21.ch/seit-1945-sechs-millionen-tote-in-us-kriegen) und 20 Millionen Menschen (vgl. http://www.globalresearch.ca/us-has-killed-more-than-20-million-people-in-37-victim-nations-since-world-war-ii/5492051) ums Leben gekommen. Dem gegenüber stehen circa 100.000 tote US-amerikanische Soldaten (vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/72801/umfrage/kriege-der-usa-nach-anzahl-der-soldaten-und-toten/) und null zivile Opfer auf dem Gebiet der USA, sieht man von dem 9/11-Terroranschlag in New York und Washington mit circa 3.000 Opfern ab. Nach dem 11. September 2001 sind in Nordamerika und Europa keine 1.000 Menschen an den Folgen von islamistisch motivierten Terroranschlägen gestorben (vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37787/umfrage/tote-bei-ausgewaehlten-islamistisch-terroristischen-terroranschlaegen-seit-1993/). Im so genannten Krieg gegen den Terror, der von den USA angeführt wird und in dem neben Groß-Britannien auch andere europäische Länder wie Deutschland mitmischen, sind hingegen in Afghanistan, Irak und Pakistan je nach Schätzung bis zu 1,3 Millionen Menschen ums Leben gekommen (vgl. http://www.bundeswehr-journal.de/2015/rund-13-millionen-tote-durch-krieg-gegen-den-terror/). Angesichts dieser Zahlen sollte unstrittig sein, dass die USA nicht nur das militärisch mächtigste, sondern auch das gewalttätigste Land der Erde sind. Für historisch Interessierte ist es zudem unstrittig, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und Groß-Britannien durch ihr verdecktes Engagement im Nahen und Mittleren Osten (vgl. u.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax, https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone) die Entwicklung des extrem fundamentalistischen Islamismus und des islamistisch motivierten Terrors mit zu verantworten und Diktaturen sowie Gewaltherrschaften gefördert haben. Diesen Terror nutzen sie nun, um ihn als Kriegsgrund für völkerrechtswidrige Angriffskriege zu verwenden, der bis heute weiteren Terror hervorruft (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Irakkrieg).

Alle diese simplen und klar erkennbaren Zusammenhänge wären im Prinzip kein Problem für die öffentliche Wahrnehmung, wenn die so genannte „westliche Wertegemeinschaft“ Gewalt zur Durchsetzung jeglicher Art von Interessen nicht ächten würde und sich als Hüter von Moral und Menschenrechten in der Welt aufführen würde. Das Spagat, auf der einen Seite das aktuell gewalttätigste Land der Erde zu sein und auf der anderen Seite dafür einzustehen, Gewalt zu ächten, zwingt die USA und ihre militärischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verbündeten schlichtweg dazu, der eigenen Bevölkerung vorzumachen, zwei und zwei ergäben fünf und das Sterben von Millionen von unschuldigen Zivilisten sei moralisch gerechtfertigt. Nur so gelingt es den Staaten der „freien“ Welt, nach außen Interessen mit brutaler Gewalt durchzusetzen und im Inneren eine friedliche, gewaltfreie Gesellschaft aufrecht zu erhalten.

Lieber eine Pax Americana als heilloses Durcheinander auf der Welt?

Man könnte nun meinen, es sei besser, einen Gewaltfrieden durch die USA zu haben, als gar keinen Frieden. Es ist jedoch aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Vereinigten Staaten zweifelhaft, ob diese überhaupt den Frieden auf der Welt anstreben.

Spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Vereinigten Staaten die größte Volkswirtschaft der Erde. Seit Mitte der 1970er Jahre verzeichnen die USA jedoch ein Handelsbilanzdefizit, das sich seitdem immer weiter vergrößert (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Handelsbilanzdefizit#/media/File:Handelsbilanzen_Deutschland,_Japan,_USA,_Vereinigtes_K%C3%B6nigreich.jpg). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA betrug 2015 ca. 18,1 Billionen Dollar und 2016 ca. 18,6 Billionen Dollar (vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/14418/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-den-usa/). Das Handelsbilanzdefizit im Jahr 2016 für die USA beläuft sich auf ca. 0,8 Billionen Dollar (vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/15635/umfrage/handelsbilanz-der-usa/). Das Wirtschaftswachstum in den USA beruht also komplett auf ausländischen Schulden. Griechenland hatte eine ähnlich defizitäre Wirtschaft (vgl. https://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2011/05/1a108.jpg). Das Wirtschaftswachstum des Landes finanzierte sich ausschließlich mit Schulden aus dem Ausland, bis 2011 die Gläubiger den Stecker zogen und der Zusammenbruch kam. Die wirtschaftliche Lage der USA und Griechenlands ähnelt sich also. Doch es gibt zwei entscheidende Unterschiede. Erstens ist die Währung der Vereinigten Staaten, der Dollar, die Weltleitwährung (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Leitw%C3%A4hrung), und zweitens verfügen die USA über die schlagkräftigste Armee der Welt, um diesen Zustand zu erhalten.

Die USA sind das einzige Land der Welt, das sich im Ausland mit seiner eigenen Währung verschulden kann. Da nur die amerikanische Notenbank, die Federal Reserve, Dollars in Umlauf bringen kann, können die USA mit selbst geschöpftem Geld im Ausland Waren und Rohstoffe einkaufen. So sammeln sich außerhalb der Vereinigten Staaten immer mehr Dollars an, die wiederum in amerikanische Staatsanleihen investiert werden, um die Währung zu stützen. Denn eine Inflation des Dollars schädigt auch diejenigen Länder, die Waren und Rohstoffe in Dollar handeln. Das erklärt, warum die USA trotz Handelsbilanzdefizit ein stetiges Wirtschaftswachstum verzeichnen können. Sie erzeugen jedoch damit auch globale Wirtschaftskrisen (vgl. https://www.boeckler.de/22374_22379.htm). Wie kritisch die Situation derzeit ist, kann man an der Gesamtschuldenquote (Summe der Schulden von Staat, Unternehmen, Finanzsektor und Privathaushalte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) der USA erkennen. Im Jahr 2014 erreichte die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten 60 Billionen Dollar (vgl. https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/07/01/usa-verschuldung-erreicht-rekord-niveau-von-60-billionen-dollar/) bei einem BIP von 17,4 Billionen Dollar (vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/14418/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-den-usa/). Die sich daraus ergebende Schuldenquote von knapp 350 % liegt deutlich höher als jene während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre (vgl. http://static4.businessinsider.com/~~/f?id=49d74ad14b54372b00134f9f). Damals erreichte die Quote knapp 260 % und erzeugte eine globale Wirtschaftskrise, die in Deutschland zum Aufstieg der Nationalsozialisten beitrug (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise#Ma%C3%9Fnahmen_zur_%C3%9Cberwindung_der_Krise_in_Deutschland).

Damit der Dollar Weltleitwährung bleibt, muss er international zu Transaktionszwecken genutzt werden. Ein Großteil der Rohstoffe, insbesondere das Öl als wichtigster Energieträger, werden weltweit gegen Dollar verkauft (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Petrodollar). Verkauften erdölexportierende Länder ihren Rohstoff gegen eine andere Währung, würde der Dollar seine Funktion als Leitwährung verlieren und in der Folge die US-amerikanische Wirtschaft einbrechen. Viele jüngere internationale und von den USA ausgehende Konflikte lassen sich mit diesem Zusammenhang erklären:

Das Magazin Der Spiegel versucht, diese Zusammenhänge als Verschwörungstheorien herunterzuspielen, indem er z.B. die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen einer Abkehr des Iran vom Dollar darstellt (vgl. http://www.spiegel.de/wirtschaft/bush-vs-iran-die-legende-vom-petro-euro-krieg-a-405160.html). Dabei wird jedoch die symbolische Wirkung des Angriffskrieges auf den Irak als Drohung an andere rohstoffexportierende Länder vollkommen vernachlässigt. Nur so lässt sich letztendlich erklären, warum die USA die hohen Kosten der Irakinvasion auf sich genommen haben. Denn sie sind weder auf das irakische Öl angewiesen, noch konnten sie der restlichen Welt glaubhaft vermitteln, dass der Irak tatsächlich eine Gefahr für andere Länder darstellte.

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