Islamistischer Terrorismus

Der islamistis­che Ter­ror­is­mus ist die Begrün­dung des Krieges gegen den Ter­ror, welch­er von George W. Bush nach dem 11. Sep­tem­ber 2001 aus­gerufen wurde und zwei Angriff­skriege gegen Afghanistan und den Irak mit hun­dert­tausenden zivilen Opfern, langjähriger Beset­zung dieser Län­der sowie etliche Mil­itär- und Geheim­di­en­stak­tio­nen in weit­eren Län­dern zur Folge hat­te. Der Begriff ist damit zutief­st ide­ol­o­gisch beset­zt sowie Teil der US-amerikanis­chen Kriegspro­pa­gan­da, und es ist beina­he unmöglich, eine Erk­lärung für diesen Ter­mi­nus zu find­en, der nicht von dieser Pro­pa­gan­da durchtränkt ist. Stets wird dabei ein­seit­ig auf die Reli­gion als Ursprung des Ter­rors sowie auf dessen Opfer fokussiert. Selb­st Wikipedia-Artikel kön­nen von der Ein­seit­igkeit vol­lkom­men befan­gen sein (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Islamistischer_Terrorismus). Die Fol­gen ein­er unkri­tis­chen Über­nahme der Pro­pa­gan­da kön­nen mitunter selt­same Blüten treiben, wie Demon­stra­tio­nen besorgter Bürg­er in den neuen Bun­deslän­dern zeigen, die bere­its den Unter­gang des Abend­lan­des befürcht­en.

Will man sich dem Phänomen Ter­ror auf eine neu­trale Weise näh­ern, emp­fiehlt sich eine Auseinan­der­set­zung mit asym­metrisch­er Kriegs­führung, die es im Laufe der Geschichte zuhauf gegeben hat. Auszug aus Wikipedia:

Ein asym­metrisch­er Krieg ist eine mil­itärische Auseinan­der­set­zung zwis­chen Parteien, die waf­fen­tech­nisch, organ­isatorisch und strate­gisch stark unter­schiedlich aus­gerichtet sind. Weil sich die asym­metrische Kriegführung vom gewohn­ten Bild des Krieges unter­schei­det, wird auch die Beze­ich­nung asym­metrisch­er Kon­flikt ver­wen­det.

Typ­is­cher­weise ist eine der beteiligten Kriegsparteien waf­fen­tech­nisch und zahlen­mäßig so über­legen, dass die andere Kriegspartei mil­itärisch in offen geführten Gefecht­en nicht gewin­nen kann. Langfristig kön­nen jedoch nadel­stichar­tige Ver­luste und Zer­mür­bung durch wieder­holte kleinere Angriffe zum Rück­zug der über­lege­nen Partei führen, bed­ingt auch durch die Überdehnung von deren Kräften. In den meis­ten Fällen agiert dabei die mil­itärisch über­legene Partei, meist reg­uläres Mil­itär eines Staates, auf dem Ter­ri­to­ri­um eines anderen Lan­des und kämpft gegen eine mil­i­tante Wider­stands- bzw. Unter­grund­be­we­gung, die sich aus der lokalen Bevölkerung gebildet hat. Die ver­meintlich über­legene Kriegspartei ist daher mit dem Ein­satzraum und sein­er Bevölkerung nicht ver­traut. Sie wird im weiträu­mi­gen Ein­satzge­bi­et ihre Kräfte immer nur punk­tuell anset­zen kön­nen. Zudem gerät sie ide­ol­o­gisch oft in eine unter­legene Posi­tion und kann auch aus diesem Grund den Kampf nicht gewin­nen. Die schein­bar unter­legene Seite hinge­gen rekru­tiert sich zumeist aus der regionalen Bevölkerung immer wieder neu.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Asymmetrische_Kriegf%C3%Bchrung)

Im sel­ben Wikipedia-Artikel find­et man unter „Ter­ror­is­mus als Strate­gie der asym­metrischen Kriegführung“:

Während die Tak­tiken des paramil­itärischen Kampfes, also das Vorge­hen von Par­ti­sa­nen­ver­bän­den oder ähn­lichem, in erster Lin­ie darauf abzie­len, den mil­itärisch über­lege­nen Geg­n­er mit der Strate­gie der „Nadel­stiche“ kon­tinuier­lich zu schwächen, zu provozieren oder zu demor­al­isieren, tritt der Ter­ror­is­mus als offen­sive Strate­gie im Rah­men der asym­metrischen Kriegführung auf. Ter­ror­is­ten ist es möglich, anders als Par­ti­sa­nen- bzw. Gueril­laein­heit­en unab­hängig zu operieren und somit den Krieg in andere Regio­nen – ja sog­ar in das ent­fer­nte Heimat­land des Fein­des – hin­auszu­tra­gen. Die Durch­führung erschreck­ender Anschläge mit möglichst hoher medi­aler Res­o­nanz soll die Bevölkerung verun­sich­ern und so den poli­tis­chen Rück­halt der kriegführen­den Regierung erschüt­tern. Durch die direk­ten Angriffe auf das Zen­trum des Fein­des wollen Ter­ror­is­ten den Durch­hal­tewil­len der Bevölkerung brechen, die hin­ter der Stre­itkraft des über­lege­nen Geg­n­ers ste­ht. Somit find­et in dieser Form des Krieges nicht nur eine Asym­metrisierung der Kräfte und Tak­tiken, son­dern auch der Schau­plätze und Schlacht­felder statt.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Asymmetrische_Kriegf%C3%BChrung#Terrorismus_als_Strategie_der_asymmetrischen_Kriegf%C3%BChrung)

Als Beispiele für asym­metrische Kon­flik­te wer­den unter anderem genan­nt:

  • die Varuss­chlacht, in welch­er der ger­man­is­che Anführer Arminius 9 n. Chr. drei Legio­nen der römis­chen Armee besiegte und für ein Ende der Besatzung Ger­maniens durch Rom sorgte,
  • die spanis­che Gueril­la, die sich gegen die napoleonis­che Besatzung zur Wehr set­zte,
  • die sow­jetis­chen Par­ti­sa­nen und die Résis­tance in Frankre­ich, die gegen die deutsche Besatzung im Zweit­en Weltkrieg kämpften,
  • der Algerische Unab­hängigkeit­skrieg,
  • der rus­sis­che Afghanistankrieg 1979–1989,
  • der US-amerikanis­che Krieg in Afghanistan seit 2001,
  • der US-amerikanis­che Krieg im Irak 2003.

Bei Kon­flik­ten, die länger in der Geschichte zurück­liegen, tendieren wir dazu, die Dinge objek­tiv­er zu betra­cht­en als bei aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen. Kein Ital­iener würde heute auf die Idee kom­men, die Ger­ma­nen unter Arminius als Ter­ror­is­ten zu beze­ich­nen. Im deutschen Nation­al­is­mus in der zweit­en Hälfte des 19. Jahrhun­derts wurde Arminius sog­ar zum Helden deklar­i­ert und ihm ein Denkmal gewid­met (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hermannsdenkmal). Kein Deutsch­er würde die franzö­sis­che Résis­tance heute eine Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion nen­nen. Obwohl sie während der Besatzung Frankre­ichs Anschläge auf deutsche Staats­bürg­er verübten, hal­ten selb­st Deutsche deren Mit­glieder heute für Frei­heit­skämpfer, die Sab­o­tageak­te durchge­führt haben, um für eine gerechte Sache zu kämpfen. Selb­st die afghanis­chen Mud­scha­hed­din (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mudschahed), welche sich in einem asym­metrischen Krieg gegen die rus­sis­che Besatzung ihres Lan­des zur Wehr set­zten, wur­den im amerikanis­chen Kino gefeiert (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Rambo_III) und vom dama­li­gen US-Präsi­den­ten Ronald Rea­gan im Weißen Haus emp­fan­gen.

2/2/1983 Pres­i­dent Rea­gan meet­ing with Afghan Free­dom Fight­ers in the Oval Office to dis­cuss Sovi­et atroc­i­ties in Afghanistan — Image by Michael Evans, see stamp and name on roll #C12820THE PRESIDENT AT WORK/SIGNIFICANT EVENTS (file: c12820-32.jpg) https://www.reaganlibrary.gov/sites/default/files/archives/audiovisual/whphoto1983.pdf Roll #C12820 frame 32 (cir­cled on the film) con­tact sheet by click­ing on the blue link http://www.corbisimages.com/stock-photo/rights-managed/U2105236/ronald-reagan-meeting-with-afghans, Pub­lic Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18880783

Weniger bekan­nt ist, dass die CIA die sow­jetis­che Besatzung Afghanistans absichtlich provoziert hat, um die Russen in ihr eigenes „Viet­nam“ zu lock­en, und dass sowohl die USA als auch Sau­di-Ara­bi­en die Mud­scha­hed­din mit jew­eils bis zu sechs Mil­liar­den Dol­lar sowie Waf­fen­liefer­un­gen unter­stützt haben (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone). Ohne diese Maß­nah­men gäbe es die Tal­iban heute wahrschein­lich nicht.

Es kommt also ganz darauf an, aus welch­er Per­spek­tive man einen Kon­flikt betra­chtet, ob es sich bei Men­schen, die sich gegen die Besatzung ihres Lan­des zur Wehr set­zen, um „Frei­heit­skämpfer“, „Wider­stand­skämpfer“ oder „Rebellen“ han­delt, die „Sab­o­tageak­te“ durch­führen, um für eine „gute Sache“ zu kämpfen. Oder ob diese „ver­brecherische Ter­ror­is­ten“ sind, die „heimtück­ische Atten­tate“ ausüben, um irgendwelche welt­frem­den Ziele zu ver­fol­gen wie die Errich­tung eines weltweit­en Gottesstaates.

Was näm­lich noch für die Mud­scha­hed­din galt, gilt nicht mehr für die Tal­iban, welche nach dem Ende der sow­jetis­chen Besatzung mit Unter­stützung Pak­istans und Sau­di-Ara­bi­ens den größten Teil der Macht in dem Land in einem Bürg­erkrieg über­nah­men und nach dem Vor­bild Sau­di-Ara­bi­ens die Scharia als Rechts­grund­lage ein­führten. Sie beherbergten Kämpfer von al-Qai­da und deren Anführer Osama bin Laden, die bere­its gegen die sow­jetis­che Besatzung tätig waren und die in der Folge Anschläge gegen die mil­itärische Ein­mis­chung der USA in mus­lim­is­chen Staat­en ausübten. Nach dem 11. Sep­tem­ber 2001 weigerten sie sich, Osama bin Laden, der von den USA für den Anschlag in New York und Wash­ing­ton ver­ant­wortlich gemacht wurde, die Tat jedoch abstritt, an die Vere­inigten Staat­en auszuliefern. Den USA und den NATO-Län­dern reichte dies, daraus einen bewaffneten Angriff Afghanistans auf die Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka zu kon­stru­ieren und das Land anzu­greifen, um es bis heute beset­zt zu hal­ten. Wider­stand, Sab­o­tageak­tio­nen und Anschläge gegen Sol­dat­en und Ein­rich­tun­gen der Besatzungsmächte wer­den von diesen als Ter­ror beze­ich­net. Und so wer­den aus Frei­heit­skämpfern schnell wieder Ter­ror­is­ten, die für eine schlechte Sache kämpfen und ver­brecherische Atten­tate aus­führen, wenn sie nicht gegen den „richti­gen“ Geg­n­er kämpfen. Für der­ar­tige Bösewichter gel­ten wed­er das Völk­er­recht noch die Gen­fer Kon­ven­tio­nen. Selb­st wenn man ihr Land angreift und beset­zt, bleiben sie böse Ter­ror­is­ten.

Ähn­lich­es geschah im Irak. Nach­dem die USA, Großbri­tan­nien und eine Koali­tion der Willi­gen beste­hend aus ver­schiede­nen Alli­ierten der Vere­inigten Staat­en das Land unter nach­weis­lichen Kriegslü­gen ange­grif­f­en und beset­zt hat­ten sowie eine schi­itis­che Regierung ein­richteten, sind ehe­ma­lige sun­ni­tis­che Offiziere des Geheim­di­en­stes von Sad­dam Hus­sein in den Wider­stand gegan­gen und haben den Islamis­chen Staat gegrün­det, um gegen die Besatzung ihres Lan­des und gegen die schi­itis­che Regierung in einem asym­metrischen Krieg zu kämpfen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Staat_(Organisation)). Im West­en wird der IS ähn­lich wie das Net­zw­erk al-Qai­da, zu dem sich der IS lange bekan­nte, als ver­brecherische Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion dargestellt, welche aus rein religiösen Grün­den und zur Errich­tung eines weltweit­en Gottesstaates bru­tale Anschläge sowohl in ihrem Heimat­land als auch in west­lichen Metropolen verübt.

Seit dem Krieg gegen den Ter­ror haben die Ter­ro­ran­schläge beson­ders in den Län­dern Irak, Nige­ria, Afghanistan, Pak­istan und Syrien stark zugenom­men. Seit 2000 ist die Zahl der Todes­opfer durch Ter­ro­ran­schläge um das Neun­fache gestiegen. Der Krieg gegen den Ter­ror erzeugt den Ter­ror also selb­st und ver­stärkt ihn (vgl. https://www.heise.de/tp/features/Hat-der-Globale-Krieg-gegen-den-Terror-den-Terrorismus-reduziert-3276705.html). Dass ein asym­metrisch­er Krieg gegen eine Gueril­la nicht mit Waf­fenge­walt zu gewin­nen ist, ist kein Geheim­nis der Gegen­wart. Bere­its der englis­che Feld­marschall Ger­ald Tem­pler set­zte in den 50er Jahren des 20. Jahrhun­derts auf die Gewin­nung der Herzen und Köpfe der Bevölkerung mit vornehm­lich wirtschaftlichen, sozialen und poli­tis­chen Maß­nah­men statt allein mit mil­itärischen Mit­teln. Er stellte die The­sen auf, dass die Gueril­l­abe­we­gung mil­itärisch nicht zu zer­schla­gen ist (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Asymmetrische_Kriegf%C3%Bchrung#Der_Begriff_%E2%80%9Easymmetrische_Konflikte%E2%80%9C). Diese Erken­nt­nis haben auch die US-Amerikan­er spätestens seit der Nieder­lage im Viet­namkrieg selb­st gewin­nen kön­nen.

Wieso gehen die USA trotz ihrer Erfahrun­gen in Viet­nam mit ihren kurz aufeinan­der fol­gen­den Kriegen in Afghanistan und im Irak dieses immense Risiko erneut ein? Bestand die Führung der Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka inklu­sive der Joint Chiefs of Staff und der Berater aus diversen Think Tanks zu Beginn des 21. Jahrhun­derts aus einem Haufen von para­noiden und kriegs­vers­esse­nen Idioten, ähn­lich wie sie in Stan­ley Kubricks Film „Dr. Strangelove“ dargestellt wurde? Oder steckt eiskaltes Kalkül dahin­ter, wie es beim Strate­giepa­pi­er „Rebuild­ing America‘s Defens­es“ des Think Tanks Project for a New Amer­i­can Cen­tu­ry durch­schim­mert (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Project_for_the_New_American_Century, http://www.informationclearinghouse.info/article3249.htm)? Bere­its 1997 hat­te dieser Think Tank, dessen Mit­glieder unter George W. Bush zen­trale Posi­tio­nen der Regierung ein­nah­men, eine Inva­sion des Iraks sowie ein höheres Mil­itär­bud­get und neue Waf­fen­sys­teme gefordert und sich ein katalysieren­des, katas­trophales Ereig­nis wie ein neues Pearl Har­bor her­beigewün­scht, um diese Maß­nah­men vor der amerikanis­chen Bevölkerung recht­fer­ti­gen zu kön­nen. Kaum waren die Mit­glieder an den zen­tralen Schalt­stellen der Macht angekom­men, ereignete sich der Anschlag von 9/11, die Mil­itäraus­gaben stiegen immens an und inner­halb von zwei Jahren grif­f­en die USA Afghanistan und den Irak an. Solche Zufälle find­en sich eigentlich nur in den Drehbüch­ern schlechter Vor­abend­se­rien, und doch soll die ganze Welt­ge­mein­schaft sie glauben und sich nicht näher mit den Details der geschichtsverän­dern­den Anschläge in New York und Wash­ing­ton beschäfti­gen.

Die Antwort auf die Frage Dummheit oder Kalkül gibt der dama­lige US-Präsi­dent George W. Bush selb­st, als er sechs Tage nach dem Atten­tat über den Krieg gegen den Ter­ror von einem Kreuz­zug spricht, der eine Weile dauern wird (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=7TRVcnX8Vsw). Zieht man in Betra­cht, dass die USA bis Ende der 20er Jahre dieses Jahrhun­derts wed­er über eigenes Erdöl noch über eigenes Erdgas ver­fü­gen wer­den, von denen 70 % ihrer Energiev­er­sorgung abhän­gen, dann erweist sich der Krieg gegen den Ter­ror als her­vor­ra­gen­der Grund, nach Belieben diejeni­gen Län­der angreifen und mit Gewalt kon­trol­lieren zu kön­nen, in denen sich die größten und am leicht­esten zugänglichen Reser­ven an Erdöl und Erdgas befind­en: darunter Iran, Irak und Sau­di-Ara­bi­en. Wenn man sich also fragt, wie lange der Kreuz­zug gegen den Ter­ror dauern wird, dann find­et man hier eine Antwort: solange, wie die USA auf die Ressourcen aus dieser Region angewiesen sein wer­den.

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