Klimawandel

Ein Men­sch braucht zum Leben Nahrungsmit­tel und Getränke mit einem Energiein­halt von im Schnitt 1.000 kWh im Jahr. Je nach kör­per­lich­er Belas­tung kann der Energiebe­darf auch höher oder niedriger sein. Bere­its die Jäger und Samm­ler hat­ten auf­grund des Verzehrs von Tieren und der Ver­wen­dung von Feuer als Licht- und Wärme­quelle und zur Zubere­itung von Nahrung einen Energie­ver­brauch von ca. 5.500 kWh pro Jahr. Im Zeital­ter der Land­wirtschaft lag der Energiebe­darf durch die Nutzung von Arbeit­stieren, Wass­er- und Wind­mühlen, aber auch durch die Nutzung von Zwangs- und Sklave­nar­beit bei ca. 22.000 kWh pro Jahr. Damit war die zum dama­li­gen Zeit­punkt tech­nisch mögliche Aus­nutzung der vorhan­de­nen (regen­er­a­tiv­en) Energiequellen aus­geschöpft. Die Deutschen ver­brauchen heute im Schnitt knapp 50.000 kWh pro Kopf und Jahr, erwach­sene Men­schen eher 60.000 kWh. (vgl. http://www.buerger-fuer-technik.de/body_wieviel_energie_braucht_der_me.html, http://www.oekosystem-erde.de/html/energiegeschichte.html, https://de.wikipedia.org/wiki/Energieverbrauch#Energieverbrauch_in_Deutschland). Die größten Energieposten sind Heizung, Warmwass­er und Aut­o­fahren (vgl. http://www.oekosystem-erde.de/html/energie.html#beispiel-buerger).

Bis auf Energiegewin­nung aus der Geot­her­mie und aus der Kernspal­tung stammt sämtliche auf der Erde ver­brauchte Energie von der Sonne. Pflanzen ent­nehmen den für ihr Wach­s­tum benötigten Kohlen­stoff aus der Luft, indem sie die Energie der Sonne über die Pho­to­syn­these nutzen, um das Kohlen­diox­id aufzutren­nen. Dabei entste­hen Kohlen­stoff und Sauer­stoff, den sie an die Umge­bung zurück­geben. Ver­bren­nen wir Bio­masse wie Holz, machen wir diesen Vor­gang wieder rück­gängig. Fos­sile Energi­eträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas sind über Jahrmil­lio­nen durch die Ein­lagerung von nicht ver­west­en pflan­zlichen und tierischen Über­resten in die Erd­kruste ent­standen. Durch die Ver­bren­nung fos­siler Energi­eträger wird der Kohlen­stoff wieder in Form von Kohlen­diox­id an die Atmo­sphäre zurück­gegeben.

Die indus­trielle Rev­o­lu­tion wäre ohne fos­sile Energi­eträger nicht in der Form möglich gewe­sen, und unsere Art zu leben sähe heute anders aus. Die Nutzung fos­siler Energi­eträger hat jedoch zwei gravierende Nachteile. Erstens sind sie endlich, und zweit­ens ist das Ver­bren­nung­spro­dukt Kohlen­diox­id ein sehr lange in der Atmo­sphäre ver­weilen­des Treib­haus­gas. Zusam­men mit dem Treib­haus­gasen Methan, Flu­o­rkohlen­wasser­stoffe und Schwe­fel­hexa­l­flu­o­rid ist es für die men­schengemachte glob­ale Erwär­mung ver­ant­wortlich (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Treibhauseffekt#Treibhausgase). 97 % aller Kli­ma­tolo­gen sind davon überzeugt, dass der Anstieg der Tem­per­a­turen vom Men­schen aus­gelöst wird (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung#Der_wissenschaftliche_Konsens_zum_Klimawandel).

Im Ver­gle­ich zur vorindus­triellen Zeit hat sich die glob­ale Durch­schnittstem­per­atur um 1,1 Grad erhöht. Die Konzen­tra­tion von Kohlen­diox­id ist auf­grund der Ver­bren­nung fos­siler Energi­eträger, der Zementin­dus­trie und großflächiger Rodun­gen von 280 ppm (parts per mil­lion ) auf 400 ppm gestiegen. Die Konzen­tra­tion von Methan ist auf­grund von Massen­tier­hal­tung und anderen land­wirtschaftlichen Tätigkeit­en von 730 ppb (parts per bil­lion) auf 1.800 ppb gestiegen. Dies sind die höch­sten Stände dieser Treib­haus­gase in der Erdat­mo­sphäre seit min­destens 800.000 Jahren (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung).

Die Fol­gen der glob­alen Erwär­mung sind sowohl für die men­schliche Zivil­i­sa­tion als auch für die Tier- und Pflanzen­welt ver­heerend. Auf­grund der hohen Geschwindigkeit der Verän­derung kön­nen sich viele Arten nicht anpassen oder einen neuen Leben­sraum suchen und ster­ben aus. Auf­grund steigen­der Meer­esspiegel, Dür­ren und extremer Wet­terbe­din­gun­gen wer­den weltweite Kon­flik­te und Flüchtlingsströme erwartet. Wie stark und wie abrupt sich unser Plan­et erwär­men wird, hängt vor allen Din­gen von Rück­kop­plun­gen mit anderen kli­maverän­dern­den Fak­toren ab.

Während Treib­haus­gase die Durch­schnittstem­per­a­turen allmäh­lich steigern, kön­nen Kipp-Punk­te zu abrupten Kli­maän­derun­gen, unumkehrbaren Prozessen und langfristi­gen, starken Kli­maän­derun­gen führen. Prozesse, welche der­ar­tige Verän­derun­gen aus­lösen kön­nen, sind unter anderem:

  • Schmelzen des Meereis­es und Abnahme der Albe­do in der Ark­tis,
  • Schmelzen des Grön­ländis­chen Eiss­childes und Anstieg des Meer­esspiegels,
  • Insta­bil­ität des wes­t­anta­rk­tis­chen Eiss­childes und Anstieg des Meer­esspiegels,
  • Störung der ozeanis­chen Zirku­la­tion im Nor­dat­lantik,
  • Zunahme und mögliche Per­sis­tenz des El-Niño-Phänomens,
  • Störung des Indis­chen Mon­sun­regimes,
  • Insta­bil­ität der Sahel-Zone in Afri­ka,
  • Aus­trock­nung und Kol­laps des Ama­zonas-Regen­waldes,
  • Kol­laps der bore­alen Wälder,
  • Auf­tauen des Per­mafrost­bo­dens unter Freiset­zung von Methan und Kohlen­diox­id,
  • Schmelzen der Gletsch­er und Abnahme der Albe­do im Himalaya,
  • Ver­sauerung der Ozeane und Abnahme der Auf­nah­meka­paz­ität für Kohlen­diox­id,
  • Freiset­zung von Methan aus Meeres­bö­den

(vgl. http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Kipppunkte_im_Klimasystem).

Da das Ein­treten und die Auswirkun­gen dieser Kipp-Punk­te größ­ten­teils nicht hin­re­ichend erforscht sind, um die tat­säch­lichen Gefahren abzuschätzen, und die glob­ale Erwär­mung dadurch für den Men­schen unkon­trol­lier­bar wird und da die Ver­weil­dauer von Kohlen­diox­id in der Atmo­sphäre im Bere­ich von Jahrhun­derten bis Jahrtausenden liegt, hat der Wis­senschaftliche Beirat der Bun­desregierung Glob­ale Umweltverän­derun­gen (WBGU) bere­its 1994 emp­fohlen, die mit­tlere Erwär­mung auf höch­stens zwei Grad zu begren­zen. Das so genan­nte 2-Grad-Ziel wurde auf dem G8-Gipfel im Juli 2009 anerkan­nt, war Teil der Übereinkun­ft der UN-Kli­makon­ferenz in Kopen­hagen 2009, wurde 2015 in völk­er­rechtlich binden­der Form ver­ab­schiedet und trat im Übereinkom­men von Paris im Novem­ber 2016 in Kraft (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung#2-Grad-Ziel). Um dieses Ziel zu erre­ichen, müssen die weltweit­en Treib­haus­gas-Emis­sio­nen gegenüber dem Stand von 1990 bis 2050 um min­destens 50 % sinken, in den Indus­trielän­dern um 80–95 %. Für eine real­is­tis­che Ein­hal­tung müssen die Reduk­tio­nen inner­halb der 2010er Jahre ein­set­zen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei-Grad-Ziel).

Wie wenig die Län­der der Erde dieses Ziel ernst nehmen, kann man den Zahlen zum weltweit­en Primären­ergie­ver­brauch nach Energi­eträgern ent­nehmen:

Primären­ergie­ver­brauch weltweit nach Energi­eträgern (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/42454/umfrage/weltweiter-primaerenergieverbrauch-nach-brennstoffen-in-oelaequivalent/)

Während die Energieerzeu­gung aus erneuer­baren Energien zwis­chen 2011 und 2017 um 3,31 % gestiegen ist, ist im gle­ichen Zeitraum die Ver­bren­nung von fos­silen Energi­eträgern um mehr als das Dop­pelte auf 7,24 % angestiegen. Um die glob­ale Erwär­mung zumin­d­est abzubrem­sen, müsste ein Minus vor dieser Zahl ste­hen.

Deutsch­land, das größte Braunkohle­förder­land der Welt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Kohle/Tabellen_und_Grafiken#F%C3%B6rderung_nach_L%C3%A4ndern), sieht sich unter den Indus­trien­atio­nen gerne als Vor­re­it­er bei der Reduk­tion von Kohlen­diox­id-Emis­sio­nen und beim Energiewan­del. 2007 beschloss die Deutsche Bun­desregierung eine Reduk­tion der Treib­haus­gas-Emis­sio­nen bis 2020 um 40 % im Ver­gle­ich zu 1990. Das Bun­desumweltamt ver­meldet für den Zeitraum zwis­chen 1990 und 2016 einen Rück­gang aller Treib­haus­gase­mis­sio­nen um 27,3 % (vgl. https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland). 20,3 % des Rück­gangs der Kohlen­diox­id-Emis­sio­nen sind auf die gerin­gere Ver­bren­nung fos­siler Energi­eträger zurück­zuführen. Zugle­ich ver­meldet das Bun­de­samt einen Rück­gang des Primären­ergie­ver­brauchs und führt diesen unter anderem auf eine Effizien­zsteigerung bei der Energiepro­duk­tion zurück (vgl. https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/primaerenergieverbrauch).

Diese Zahlen klin­gen sehr pos­i­tiv, müssen jedoch mit Vor­sicht genossen wer­den. Der Primären­ergie­ver­brauch ist zwar zurück­ge­gan­gen, der Enden­ergie­ver­brauch jedoch gestiegen (vgl. https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren). Dieser Effekt ist größ­ten­teils nicht auf eine Effizien­zsteigerung der Energiepro­duk­tion zurück­zuführen, son­dern auf den Ausstieg aus der Kernen­ergie und den Rück­gang der Nutzung fos­siler Energie. Zu Berech­nung der Primären­ergie wird der Wirkungs­grad von Atom­reak­toren mit 33 % angenom­men, der von erneuer­baren Energien mit 100 %. Wird die Kernen­ergie mit erneuer­bar­er Energie erset­zt, dann sinkt der Primären­ergie­ver­brauch um 66 %, während der Enden­ergie­ver­brauch jedoch gle­ich bleibt. Bei der Senkung des Primären­ergie­ver­brauchs han­delt es sich also größ­ten­teils um eine sta­tis­tis­che Bere­ini­gung, ohne dass die Treib­haus­gase reduziert wer­den, wenn Kernen­ergie mit erneuer­bar­er Energie erset­zt wird. Ähn­lich ver­hält es sich mit Kohle und Gas bei der Energiepro­duk­tion. Für Kohle wird eine Wirkungs­grad von 45 %, für Erdgas ein Wirkungs­grad von 60 % angenom­men. Wird Kohle und Gas bei der Energiepro­duk­tion durch erneuer­bare Energien mit einem Wirkungs­grad mit 100 % erset­zt, sinkt zwar der Primären­ergie­ver­brauch, der Enden­ergie­ver­brauch kann aber gle­ich bleiben oder sog­ar steigen (vgl. https://ag-energiebilanzen.de/index.php?article_id=29&fileName=ageb_pressedienst_10_2011.pdf).

Des Weit­eren sorgt eine milde Wit­terung für eine Senkung des Primären­ergiebe­darfs für Heizz­wecke. Die Durch­schnittstem­per­atur steigt in Deutsch­land stärk­er an als im glob­alen Ver­gle­ich, da sich die Luft über den Land­massen stärk­er erwärmt als über dem Wass­er der Ozeane. Die Tem­per­a­turen sind ins­beson­dere in den Heizpe­ri­o­den Herb­st, Win­ter und Früh­ling zwis­chen 1990 und 2016 im Schnitt um bis zu einem Grad angestiegen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitreihe_der_Lufttemperatur_in_Deutschland#Zehnjahres-Perioden_(10-j%C3%A4hrige_Temperaturmittelwerte)). Ein Zusam­men­hang zwis­chen milder Wit­terung und gerin­gerem Energie­ver­brauch während der Heizpe­ri­o­den ist genau­so ein­deutig wie der Zusam­men­hang zwis­chen dem Wirtschaftswach­s­tum und dem Energie­ver­brauch (vgl. http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/4647/1/Diplomarbeit.pdf). 2009 ist die deutsche Wirtschaft um 5,6 % geschrumpft und der Primären­ergie­ver­brauch im Ver­gle­ich zum Vor­jahr fast in gle­ichem Maße um 5,9 % gesunken.

Primären­ergie­ver­brauch Deutsch­land seit 1990 nach Energi­eträgern (Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Infografiken/Energie/Energiedaten/Energiegewinnung-und-Energieverbrauch/energiedaten-energiegewinnung-verbrauch-03.html)

Tat­säch­lich ist die Energiepro­duk­tion aus erneuer­baren Energien zwis­chen 1990 und 2016 um 1.479,82 Peta­joule (PJ) gestiegen. Dafür ist bei leicht gestiegen­er Enden­ergie der Ein­satz von Primären­ergie im Bere­ich Kernen­ergie um 744 PJ, im Bere­ich Stein- und Braunkohle um 2.303 PJ und im Bere­ich Erdöl um 651 PJ gesunken. Gle­ichzeit ist der Ver­brauch von Erdgas um 763 PJ gewach­sen. Der Anteil der fos­silen Energien am Gesamt­primären­ergie­ver­brauch ist zwis­chen 1990 und 2016 um 13,25 % gesunken, der Anteil der erneuer­baren Energien abzüglich der sta­tis­tisch bere­inigten Kernen­ergie um 9,15 % gestiegen. Dass trotz­dem 20,3 % des Kohlen­diox­i­dausstoßes in der Energiepro­duk­tion im Ver­gle­ich zu 1990 reduziert wer­den kon­nten, liegt also nur zum Teil an den erneuer­baren Energien.

Ein Drit­tel der Reduk­tion liegt an der ver­mehrten Ver­wen­dung von Erdgas bei der Energiepro­duk­tion anstatt Kohle, da die Kohlen­diox­id-Emis­sio­nen bei der Ver­bren­nung von Kohle bis zum Fak­tor zwei höher liegen als bei der Ver­bren­nung von Gas (vgl. http://www.volker-quaschning.de/datserv/CO2-spez/index.php). Der hohe Rück­gang der Treib­haus­gas-Emis­sio­nen in Deutsch­land ist also nicht auf einen ver­min­derten Energiebe­darf und nur zum Teil auf den Ein­satz von erneuer­baren Energien zurück­zuführen. Ein Teil der Einsparung erfol­gt durch den Ersatz heimis­ch­er Braunkohle mit importiertem Erdgas.

Zwis­chen 2011 und 2017 ist der Anteil der fos­silen Energien am Gesamtver­brauch durch einen gesteigerten Ein­satz von Erdöl und Erdgas sog­ar wieder um 1,53 % gestiegen. Damit beträgt der Anteil fos­siler Energien am Gesamtver­brauch 82,16 %.

Primären­ergie­ver­brauch Deutsch­land nach Energi­eträgern (Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Infografiken/Energie/Energiedaten/Energiegewinnung-und-Energieverbrauch/energiedaten-energiegewinnung-verbrauch-03.html)

Der Anteil der fos­silen Energien am Gesamtver­brauch ist in anderen Indus­trien­atio­nen teil­weise leicht höher (USA: 84,18 %, Ital­ien: 84,82 %, Japan: 89,72 %), doch auch auf­grund der Nutzung von Wasserkraft zum Teil viel niedriger (Kana­da: 65,01 %). Im Ver­gle­ich zu eini­gen Schwellen­län­dern ist der Anteil der fos­silen Energien in Deutsch­land leicht niedriger (Chi­na: 86,45 %, Rus­s­land: 87,43 %, Indi­en: 91,91 %), im Ver­gle­ich zu Brasilien jedoch sehr hoch (Brasilien: 62,85 %).

Auch im Ver­gle­ich mit der gesamten EU deuten die Zahlen nicht darauf hin, dass Deutsch­land in Sachen Energiewan­del eine Vor­re­it­er­rolle ein­nimmt.

Primären­ergie­ver­brauch Europäis­che Union nach Energi­eträgern (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/42457/umfrage/europaeische-union—primaerenergieverbrauch-ausgewaehlter-brennstoffe-in-millionen-tonnen-oelaequivalent/)

Während in Deutsch­land der Anteil der erneuer­baren Energien am Gesamtver­brauch im Zeitraum von 2011 bis 2017 nur um 2,35 % gewach­sen ist, ist er in der gesamten EU um 4,05 % angestiegen. Und während die fos­silen Energien in der EU um 2,91 % geschrumpft sind, sind sie in Deutsch­land um 1,53 % gewach­sen. Deutsch­land hat also zu ein­er Ver­schlechterung des EU-Ergeb­niss­es beige­tra­gen. Das Label „Vor­re­it­er­rolle“ kann also nur auf ein gutes Mar­ket­ing zurück­zuführen sein, mit der Real­ität stimmt es nicht übere­in. Zudem wird Deutsch­land sein selb­st­gesteck­tes Kli­maziel, 40 % der Treib­haus­gas-Emis­sio­nen bis 2020 im Ver­gle­ich zu 1990 zu reduzieren, deut­lich ver­fehlen, weil die Wirtschaft gewach­sen ist (vgl. https://www.dw.com/de/deutschland-verfehlt-klimaziel-2020-deutlich/a-44142342).

Faz­it

Bei den ganzen Zahlen darf man einen wichti­gen Aspekt nicht aus den Augen ver­lieren: Selb­st wenn die Men­schheit von heute auf mor­gen kom­plett auf die Ver­bren­nung fos­siler Energi­eträger verzicht­en würde, würde sich die glob­ale Durch­schnittstem­per­atur in der Fol­gezeit noch weit­er erhöhen und erst im Ver­lauf von Jahrtausenden wieder abnehmen. Dieser Umstand hat mehrere Gründe. Erstens gehen die Kli­maforsch­er davon aus, dass auf­grund der Lan­glebigkeit der bere­its emit­tierten Treib­haus­gase und der Trägheit der Ozeane eine unver­mei­d­bare Erwär­mung von weit­eren 0,5 Grad bere­its im Kli­masys­tem steckt (vgl. http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/2-Grad-Ziel#Was_bedeutet_das_2-Grad-Ziel.3F). Zweit­ens ist der Kipp-Punkt des Abschmelzens des ark­tis­chen Meereis­es wahrschein­lich schon erre­icht (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Kippelemente_im_Erdsystem#Abschmelzen_des_arktischen_Meereises), das heißt, auch ohne weit­ere glob­ale Erwär­mung durch Treib­haus­gase würde das ark­tis­che Meereis kom­plett abschmelzen. Da Wass­er und Land­flächen über eine gerin­gere Albe­do (Rück­strahlver­mö­gen) ver­fü­gen als Schnee und Eis, kann das Son­nen­licht weniger reflek­tiert wer­den, und es wird daher mehr Energie aufgenom­men, was zu ein­er weit­eren Aufheizung der Erde beiträgt. Und drit­tens ist der Abbau von Kohlen­diox­id durch Senken wie die Ozeane sowie Land- und Meere­spflanzen langsam. Zudem ist die Kapaz­ität dieses Prozess­es lim­i­tiert und kann sich bei größer­er Erwär­mung sog­ar umkehren (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Treibhausgas#Kohlenstoffdioxid).

Die Möglichkeit, das Steuer noch ein­mal herumzureißen, läuft nach Ein­schätzung viel­er Kli­maforsch­er mit den 2010er Jahren aus. Die einzige Möglichkeit, das Desaster abzuwen­den, liegt im radikalen Verzicht auf das Ver­bren­nen fos­siler Energi­eträger und damit auf eine ver­schwen­derische Lebensweise, welch­er haupt­säch­lich die Men­schen in den west­lichen Indus­trien­atio­nen frö­nen. Auf die Entwick­lung alter­na­tiv­er Energi­eträger wie die Kern­fu­sion zu warten, während man weit­er­hin durch Nutzung fos­siler Energie die derzeit­ige Art zu leben aufrechter­hält, hat unzweifel­haft fatale Fol­gen für die Zukun­ft von Flo­ra und Fau­na sowie die men­schliche Zivil­i­sa­tion. Doch genau das scheint die Lösung zu sein, die uns der poli­tis­che und medi­ale Main­stream in den west­lichen Län­dern vor­gaukelt. Diese nicht nur men­schheits-, son­dern auch erdgeschichtlich wohl dümm­ste Ein­schätzung liegt ver­mut­lich an der Tat­sache, dass der Main­stream ein Pro­dukt des Kap­i­tal­is­mus ist, ein Wirtschaftssys­tem, das auf ewiges Wach­s­tum angewiesen ist. Der radikale Verzicht auf fos­sile Brennstoffe würde diesem Sys­tem die Grund­lage zum Wach­s­tum nehmen, so dass wir entwed­er mit ein­er großen Wirtschaft­skrise rech­nen oder uns Gedanken über eine andere Form des Zusam­men­lebens machen müssen. Wenn wir let­zteres jedoch nicht sehr bald real­isieren, dann wer­den wir als diejenige Gen­er­a­tion in die Geschichte einge­hen, die aus Bequem­lichkeit und Ver­schwen­dung die größte Katas­tro­phe der Men­schheits­geschichte und eine der größten Katas­tro­phen der Erdgeschichte aus­gelöst hat.

Zurück zu „Kom­mu­nis­mus“