Mainstream und Medien im Westen

Aus Wikipedia:
Main­stream (engl. Haupt­strö­mung) spiegelt den kul­turellen Geschmack ein­er großen Mehrheit wider, den Mas­sen­geschmack der Massenkul­tur im Gegen­satz zu Sub­kul­turen oder dem ästhetis­chen Under­ground. Es entspricht damit weit­ge­hend dem Begriff der pop­ulären Kul­tur. Im Bere­ich der Medi­en ist der Begriff oft verknüpft mit dem Begriff der Leitme­di­en und drückt einen Anspruch auf Qual­ität aus. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mainstream)

Als Leitme­di­en wer­den in der Pub­lizis­tik- und Medi­en­wis­senschaft Einzelme­di­en beze­ich­net, denen eine aus­geprägte „Haupt­funk­tion in der Kon­sti­tu­tion gesellschaftlich­er Kom­mu­nika­tion und von Öffentlichkeit zukommt“. Der Begriff wird für einzelne Medi­en­ange­bote gebraucht, die einen beson­ders starken Ein­fluss auf die öffentliche Mei­n­ung und auf andere Massen­me­di­en ausüben. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Leitmedium)

Schaut man sich die Def­i­n­i­tion von Main­stream an, wird sofort eine logis­che Schwach­stelle deut­lich: Wie ist eine Massenkul­tur ohne ein Massen­medi­um über­haupt möglich? Men­schen haben immer diejeni­gen Rohstoffe für den Bau ihrer Häuser, für ihre Nahrung und Klei­dung ver­wen­det, die sie region­al vorge­fun­den haben. Daraus sind region­al begren­zte Tra­di­tio­nen und Kul­turen ent­standen, die zuweilen bis heute fortleben. Eine über­re­gionale Massenkul­tur wäre ohne indus­trielle Massen­pro­duk­tion, ein­er dementsprechen­den logis­tis­chen Infra­struk­tur und über­re­gionale Massen­me­di­en über­haupt nicht möglich. Daher müsste die Def­i­n­i­tion genau umgekehrt laut­en: Der kul­turelle Geschmack ein­er großen Mehrheit spiegelt den Main­stream wider, der im Kon­text indus­trieller Massen­pro­duk­tion und Güter­verteilung von den Massen­me­di­en kon­stru­iert wird.

Fast alle Infor­ma­tio­nen zum Welt­geschehen und der Poli­tik ent­nehmen die Men­schen den Medi­en. Eine poli­tis­che Mei­n­ungs­bil­dung ohne Medi­en ist annäh­ernd unmöglich. Main­stream-, Massen- oder Leitme­di­en geben daher nicht die öffentliche Mei­n­ung wieder, son­dern entschei­den durch Weglassen, Her­vorheben und Inter­pre­ta­tion, über was über­haupt auf welche Art und Weise öffentlich disku­tiert wird. Medi­en haben in unser­er Gesellschaft die Funk­tion eines Gate­keep­ers. Sie fil­tern und reduzieren Infor­ma­tion sowie bear­beit­en und mod­i­fizieren sie u.a. auf der Basis der per­sön­lichen Mei­n­ung eines Jour­nal­is­ten oder des Wertek­li­mas der Medienor­gan­i­sa­tion (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Gatekeeper_(Nachrichtenforschung)).

Der Main­stream stellt nicht den Kon­sens der Mehrheit ein­er Gesellschaft dar, son­dern kon­stru­iert diesen erst. Ob der öffentliche Kon­sens zu einem The­ma wahrhaftig ist, d.h., ob er mit wis­senschaftlichen Erken­nt­nis­sen oder Tat­sachen übere­in­stimmt, hängt von der Unab­hängigkeit, Neu­tral­ität und Qual­ität der Leitme­di­en ab. Die Leitme­di­en in Deutsch­land sowie in anderen Län­dern der west­lichen Wertege­mein­schaft schreiben sich exakt diese Eigen­schaften sel­ber zu: unab­hängig, neu­tral, wahrhaftig. Da sie als Gate­keep­er fun­da­men­tale Kri­tik an sich selb­st her­aus­fil­tern kön­nen, ist weit­en Teilen der Gesellschaft, die sich auss­chließlich über diese Medi­en informieren, über­haupt nicht bewusst, dass diese Eigen­schaften nur bed­ingt mit der Real­ität übere­in­stim­men.

Unab­hängigkeit hin­sichtlich der Ein­nah­men

Die Presse sowie pri­vate Fernseh- und Radiosender sind keine Organ­i­sa­tio­nen, die sich als primäres Ziel die wahrhaftige Infor­ma­tion ihrer Kon­sumenten geset­zt haben. Sie sind gewin­nori­en­tierte Unternehmen, deren Eigen­tümer einem Ver­drän­gungs­markt aus­ge­set­zt sind, in dem am Ende nur wenige ein­flussre­iche Medi­enkonz­erne übrig bleiben. Die Hauptein­nah­me­quelle eines Medi­ums sind auch nicht die Kon­sumenten, son­dern Wer­bekun­den, welche Anzeigen in dem jew­eili­gen Medi­um schal­ten. Dies gilt ins­beson­dere für das Pri­vat­fernse­hen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Privatfernsehen#Finanzierung_und_Marktanteile), das Pri­va­tra­dio sowie Online-Zeitun­gen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Internet-Zeitung), die ihr öffentlich­es Ange­bot alle­samt zu fast 100 % aus Wer­beein­nah­men finanzieren. Bei Print­me­di­en ergibt sich der Umsatz zur Hälfte aus Wer­beein­nah­men und zur anderen Hälfte aus dem Verkauf an die Nutzer (vgl. http://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Wie_sich_eine_Zeitung_finanziert.pdf). Die öffentlich-rechtlichen Medi­en ARD, ZDF und Deutsch­landra­dio finanzierten sich 2011 aus 7,5 Mil­liar­den Euro GEZ-Gebühren und 290 Mil­lio­nen Euro Werbe- und Spon­soringein­nah­men (vgl. https://www.merkur.de/tv/gez-nehmen-oeffentlich-rechtlichen-3257894.html). Dies entspricht einem Anteil der pri­vat­en Finanzierung von ca. 4 %.

Ein Geschäftsmod­ell, das zu 50–100% auf Wer­beein­nah­men beruht, kann man nicht als unab­hängig beze­ich­nen. Hauptziel der pri­vat­en Medi­enun­ternehmen ist die Ausweitung der Reich­weite, um den Erlös aus den Wer­beein­nah­men zu steigern. Fun­da­men­tale Kap­i­tal­is­muskri­tik wird man daher in diesen Medi­en kaum find­en.

Unab­hängigkeit hin­sichtlich ein­flussre­ich­er Unternehmen und Per­so­n­en

Da die Konzen­tra­tion der Besitzver­hält­nisse im deutschen wie inter­na­tionalen Medi­en­markt stark zugenom­men hat, ist es zudem inter­es­sant zu wis­sen, wie viele Organ­i­sa­tio­nen und Men­schen let­z­tendlich diesen Markt beherrschen. Wer sind die ein­flussre­ich­sten Unternehmen und Per­so­n­en der deutschen Leitme­di­en?

Der deutsche Fernsehmarkt wird zu ca. 48 % von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern abgedeckt. ARD und ZDF betreiben alleine sowie in Koop­er­a­tion mit öffentlich-rechtlichen Sendern aus Öster­re­ich, Frankre­ich und der Schweiz die Sender ARD-Dritte, ZDF, ARD Das Erste, ZDF­neo, 3SAT, arte, ZDFin­fo, Phoenix und ARD/ZDF Kinderkanal. Mit ca. 21 % Markan­teil fol­gt die RTL Group, deren Haupteigen­tümer Ber­tels­mann ist. Sie betreibt die Sender RTL, VOX, RTL II, SUPER RTL, NITRO, RTLplus und N-TV. Auf dem drit­ten Platz liegt ProSiebenSat.1 Media SE mit ca. 17 %. Die Aktienge­sellschaft, die sich im Streube­sitz befind­et, ist durch die Sender Sat.1, ProSieben, kabel eins, SAT.1 Gold, sixx und ProSieben MAXX bekan­nt. Mit jew­eils ca. 1 % Mark­tan­teil fol­gen amerikanis­che Fir­men wie Dis­cov­ery Com­mu­ni­ca­tions (DMAX, Eurosport, TLC), Via­com (Nick­elodeon, COMEDY CENTRAL, VIVA), Time Warn­er (TNT Film, TNT Serie, Boomerang, Car­toon Net­work) und The Walt Dis­ney Com­pa­ny (Dis­ney Chan­nel). Mit jew­eils ca. 1 % sind auch die bei­den deutschen Unternehmen Con­stan­tin Medi­en (SPORT1) und Tele5 vertreten (vgl. https://www.agf.de/daten/tvdaten/marktanteile). Die restlichen Sender haben einen Mark­tan­teil von unter 0,1 %.

Der deutsche Radiomarkt wird zu ca. 60 % von den Radiosendern der ARD abgedeckt. Die beliebtesten pri­vat­en Radiosender Radio NRW, Antenne Bay­ern, Bay­ern Funkpaket, Radio FFN, Antenne Nieder­sach­sen weisen mehrheitlich Beteili­gun­gen von der RTL Group (Ber­tels­mann), Springer, Funke Medi­en­gruppe, Hubert Bur­da Media sowie ver­schiede­nen Tageszeitun­gen auf. Lediglich das Hit Radio FFH ist von der Besitzstruk­tur unab­hängig von großen Medi­enkonz­er­nen (vgl. http://www.radiowoche.de/ma-2015-radio-ii-top-20-die-meistgehoerten-radioprogramme-in-deutschland/).

Im Print­bere­ich sind nach ein­er Befra­gung unter Jour­nal­is­ten die wichtig­sten Leitme­di­en die Süd­deutsche Zeitung (35 %), der Spiegel (34 %), die Frank­furter All­ge­meine Zeitung (15 %), die Zeit (11 %) und Bild (10 %) (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Leitmedium#Deutschsprachig). Die sieben aufla­gen­stärk­sten über­re­gionalen Tageszeitun­gen waren im 4. Quar­tal 2016 Bild (1.622.624 Exem­plare), die Süd­deutsche Zeitung (367.579 Exem­plare), die Frank­furter All­ge­meine Zeitung (252.253 Exem­plare), die Welt (182.079 Exem­plare), das Han­dels­blatt (125.600 Exem­plare), die Tageszeitung (51.614 Exem­plare) und Neues Deutsch­land (27.096 Exem­plare) (vgl. http://www.print.de/Top-10/Top-10-Produkte/Ueberregionale-Tageszeitungen-verkaufte-Auflagen-laut-IVW#image).

Die Süd­deutsche Zeitung gehört seit 2008 mehrheitlich (81,25 %) der Süd­west­deutschen Medi­en Hold­ing (SWMH), die u.a. auch die Stuttgarter Nachricht­en sowie die Stuttgarter Zeitung besitzt. Die Haupteign­er der SWMH set­zen sich mit je 47,5409 % aus der Medi­en-Union GmbH und der Gruppe Würt­tem­ber­gis­ch­er Ver­leger zusam­men. Mehrheitlich­er Eigen­tümer der Medi­en-Union GmbH, zu der auch die Chem­nitzer Freie Presse gehört, ist der Mil­liardär Dieter Schaub (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%Bcdwestdeutsche_Medien_Holding, https://de.wikipedia.org/wiki/Medien_Union, https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Schaub).

Der Spiegel-Ver­lag mit den wöchentlich erscheinen­den Zeitschriften Der Spiegel (775.833 Exem­plare) und Man­ag­er-Mag­a­zin gehört nach dem Willen des Grün­ders Rudolf Aug­stein zu 50,5 % der Kom­man­dit­ge­sellschaft der Mitar­beit­er (derzeit 750–800 Per­so­n­en), zu 25,5 % Gruner + Jahr (100 %ige Tochter von Ber­tels­mann) und zu 24 % den Erben Aug­steins. Ber­tels­mann besitzt damit beim Spiegel die für die Sper­rmi­norität notwendi­gen 25 % Beteili­gung (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spiegel#Spiegel-Verlag, https://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel-Mitarbeiter_KG). Eigen­tümer von Ber­tels­mann sind zu 19,1 % die Fam­i­lie Mohn sowie zu 80,9 % die Ber­tels­mann-Stiftung, die jedoch keine Stimm­rechte besitzt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bertelsmann#Eigent%C3%Bcmer). Vor­sitzende der Gesellschafter­ver­samm­lung und des Lenkungsauss­chuss­es der Ber­tels­mann Ver­wal­tungs­ge­sellschaft, Mit­glied der Auf­sicht­srats­gremien von Ber­tels­mann sowie stel­lvertre­tende Vor­sitzende des Vor­stands und des Kura­to­ri­ums der Ber­tels­mann Stiftung ist die Mil­liardärin Liz Mohn (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Liz_Mohn, https://www.forbes.com/profile/elisabeth-mohn/). Über die 100 %ige Ber­tels­mann-Tocher Gruner + Jahr gehören zu Ber­tels­mann zudem u.a. die Zeitschriften Brigitte, Cap­i­tal, Gala, Geo-Mag­a­zine, Nation­al Geo­graph­ic Deutsch­land, P.M. Mag­a­zin, Schön­er wohnen und der Stern (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Gruner_%2B_Jahr).

Die Frank­furter All­ge­meine Zeitung (F.A.Z.) gehört zu 93,7 % der Faz­it-Stiftung. Die Gesellschafter der Stiftung set­zen sich derzeit (2018) zusam­men aus: zwei Vertreter der Phar­ma-Indus­trie, ein Vertreter ein­er Bank, ein ehe­ma­liger Geschäfts­führer des Spiegel-Ver­lages, ein Ver­leger, ein Anwalt sowie ein ehe­ma­liger Vor­standsvor­sitzen­der von Kaufhof (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Allgemeine_Zeitung, https://de.wikipedia.org/wiki/Fazit-Stiftung).

Die wöchentlich erschein­dende Zeit (489.611 Exem­plare) gehört zu 50 % der DvH Medi­en (DvH = Dieter von Holtzbrinck) sowie zu 50 % der Ver­lags­gruppe Georg von Holtzbrinck, dessen Gesellschafter die Geschwis­ter Ste­fan von Holtzbrinck und Moni­ka Schoeller sind. Dieter und Ste­fan von Holtzbrinck sind Halb­brüder (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/DvH_Medien, https://de.wikipedia.org/wiki/Verlagsgruppe_Georg_von_Holtzbrinck). Zur DvH Medi­en gehören zudem noch das Han­dels­blatt und der Tagesspiegel. Das Ver­mö­gen der Holtzbrinck-Fam­i­lie wurde 2006 auf 2,4 Mil­liar­den Dol­lar geschätzt (vgl. https://www.forbes.com/lists/2006/10/MS4F.html), das von Dieter von Holtzbrinck 2008 auf 1,3 Mil­liar­den Dol­lar (vgl. https://www.forbes.com/lists/2008/10/billionaires08_Dieter-von-Holtzbrinck_MS4F.html).

Die Bild-Zeitung, aufla­gen­stärk­ste Tageszeitung nicht nur Deutsch­lands, son­dern auch Europas, sowie die Welt gehören zur Axel Springer SE, deren Eigen­tümer sich aufteilen in: die Axel Springer Gesellschaft für Pub­lizis­tik GmbH & Co. (47,3 %), die US-amerikanis­che Invest­ment­fir­ma Gen­er­al Atlantic (8,3 %), Friede Springer (5,1 %), der Vor­standsvor­sitzende von Axel Springer SE Math­ias Döpfn­er (2,8 %) und Streube­sitz (36,5 %). Friede Springer hält zudem 90 % an der Axel Springer Gesellschaft für Pub­lizis­tik GmbH & Co. und ist damit größte Anteil­seigner­in des Unternehmens (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Springer_SE#Aktion%C3%A4re). Sie ver­fügt über ein Ver­mö­gen von 5,7 Mil­liar­den Dol­lar (vgl. https://www.forbes.com/profile/friede-springer/).

Die Tageszeitung (taz) gehört der taz.genossenschaft mit 17.181 Mit­gliedern (Stand Sep­tem­ber 2017), dessen höch­stes Organ die jährliche Gen­er­alver­samm­lung darstellt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Taz.genossenschaft).

Die Zeitung Neues Deutsch­land gehört zu 50 % der Föder­a­tiv­en Ver­lags-, Con­sult­ing- und Han­dels­ge­sellschaft mbH (FEVAC), treuhän­derisch für die Partei Die Linke, sowie zu 50 % der Com­mu­nio Beteili­gungsgenossen­schaft eG. Von 1946 bis 1989 war die Zeitung in der DDR das Zen­tralor­gan der Sozial­is­tis­chen Ein­heitspartei Deutsch­lands (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Deutschland).

Wertet man oben­ste­hende Zahlen aus, dann ergibt sich ein ein­deutiges Bild hin­sichtlich des Ein­flusses einzel­ner Per­so­n­en auf die öffentliche Mei­n­ung in Deutsch­land: Gemessen an den Aufla­gen kon­trol­lieren vier Mil­liardäre (Friede Springer, Liz Mohn, Dieter Schaub, Dieter von Holtzbrinck) über Mehrheit­san­teile bzw. Sper­rmi­noritäten 93 % der deutschen Leitme­di­en im Print­bere­ich sowie drei Mil­liardäre (Friede Springer, Dieter Schaub, Dieter von Holtzbrinck) 87,5 % der über­re­gionalen Tageszeitun­gen.

Neben den bere­its genan­nten Medi­enkonz­er­nen kon­trol­lieren noch drei weit­ere Unternehmen über Eigen­tumsmehrheit oder als große Min­der­heits­ge­sellschafter den Großteil des restlichen Mark­tes an Zeitschriften und Region­alzeitun­gen sowie das pri­vate Radio:

  • Funke Medi­en­gruppe: Tageszeitun­gen: West­deutsche All­ge­meine Zeitung, die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung, die West­fälis­che Rund­schau in Essen, die West­falen­post in Hagen, den Iser­lohn­er Kreisanzeiger und Zeitung, die Thüringer All­ge­meine in Erfurt, die Ost­thüringer Zeitung in Gera, die Thüringis­che Lan­deszeitung in Weimar, die Braun­schweiger Zeitung, den Harz Kuri­er in Osterode am Harz, das Ham­burg­er Abend­blatt und die Berge­dor­fer Zeitung in Ham­burg sowie die Berlin­er Mor­gen­post; Zeitschriften: Gong, Bild+Funk, Hörzu, Bild der Frau, TVdi­rekt, Die Aktuelle, Das Gold­ene Blatt und Echo der Frau (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Funke_Mediengruppe)
  • Hubert Bur­da Media: Bunte, Chip, Focus, Freizeit Revue, InStyle, Super­Il­lu, Play­boy (weit­ere Unternehmen und Online-Plat­tfor­men: Cyber­port, Hol­i­day­Check Group, Xing) (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hubert_Burda_Media)
  • Bauer Media Group: u.a. Bra­vo, Auto Zeitung, Cos­mopoli­tan, Fernse­hwoche, TV Movie, TV Hören und Sehen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bauer_Media_Group)

Von Unab­hängigkeit geschweige den Vielfalt kann man also kaum reden, wenn sieben Medi­enkonz­erne fast den kom­plet­ten deutschen Print­markt sowie einen Großteil des pri­vat­en Radios abdeck­en, und zwei Medi­enkonz­erne (Ber­tels­mann und ProSiebenSat.1 Media SE) den Großteil des pri­vat­en TV-Mark­tes beherrschen.

Zum Glück gibt es ja noch die öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radioanstal­ten, kön­nte man nun meinen. Doch diese wer­den durch Rund­funkräte kon­trol­liert, in denen mehrheitlich Vertreter der Regierungsparteien sitzen, was immer wieder zu Vor­wür­fen der ein­seit­i­gen Berichter­stat­tung führt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/ARD#Rezeption,_Medienkritik_und_Kontroversen, https://de.wikipedia.org/wiki/ZDF#Rezeption,_Medienkritik,_Kontroversen_und_Skandale). Kri­tik an der Regierungspoli­tik wird man daher in den öffentlich-rechtlichen Medi­en kaum find­en. Da seit der Grün­dung der Bun­desre­pub­lik 1949 die Bun­des- und Lan­despoli­tik maßge­blich von den Parteien CDU und SPD, welche bei­de zum Kap­i­tal­is­mus und zum Neolib­er­al­is­mus ste­hen, bes­timmt wird, wird man in den öffentlich-rechtlichen Medi­en auch keine fun­da­men­tale Kri­tik am Wirtschaftssys­tem in Deutsch­land und der west­lichen Welt find­en. Fast der kom­plette deutsche Medi­en­markt ste­ht fol­glich einem ökonomis­chen Sys­tem, das zyk­lisch wiederkehrend durch Umverteilung der materiellen Ressourcen von Arm nach Reich zu Wirtschaft­skrisen und Kriegen führt sowie durch seine Gewin­nori­en­tierung und Ressource­naus­beu­tung keine notwendi­gen radikalen Lösun­gen für die Ver­mei­dung des Kli­mawan­dels find­et, vol­lkom­men kri­tik­los gegenüber.

Neu­tral­ität

Öffentlich-rechtliche Medi­en, die maßge­blich von den bei­den neolib­er­al ori­en­tierten Regierungsparteien CDU und SPD kon­trol­liert wer­den, kön­nen nicht poli­tisch neu­tral sein. Das gebi­etet der gesunde Men­schen­ver­stand. Der Neoliberlis­mus ist poli­tisch rechts einzuord­nen (vgl. https://lobbypedia.de/wiki/Neoliberalismus), so dass linke Mei­n­un­gen kaum, nur noch in Nis­chen­for­mat­en oder als Satire im öffentlich-rechtlichen Fernse­hen und Radiorund­funk auf­tauchen. Die rechte AfD ste­ht dem Neolib­er­al­is­mus zwar pos­i­tiv gegenüber, set­zt jedoch offen auf Nation­al­is­mus und Frem­de­nangst. Diese Ein­stel­lung gilt zwar prinzip­iell sub­til auch für alle anderen Parteien, ist aber im öffentlichen Mei­n­ungs­bild auf­grund der deutschen Geschichte ver­pönt. Die Deutschen geben sich gerne als weltof­fen und human­is­tisch. Doch eine große Mehrheit ist für eine Ober­gren­ze bei der Auf­nahme von Flüchtlin­gen (vgl. https://yougov.de/opi/surveys/results/#/survey/f51e1b80-c017-11e5-8a6f-005056904df0/question/4a40d8a0-c018-11e5-8a6f-005056904df0/politics) und ist der Mei­n­ung, der Islam gehöre nicht zu Deutsch­land (vgl. https://yougov.de/news/2015/09/24/der-islam-gehort-fur-viele-immer-noch-nicht-zu-deu/), obwohl er nach dem Chris­ten­tum die größte religiöse Min­der­heit in Deutsch­land darstellt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Religionen_in_Deutschland#Religionszugeh%C3%B6rigkeit_in_Deutschland). Fast die kom­plette Medi­en­land­schaft unter­stützt sie bere­itwillig bei ihrer wider­sprüch­lichen Hal­tung, indem sie offene rechte Mei­n­un­gen ablehnt und ger­ingschätzt. Dage­gen ist prinzip­iell nichts einzuwen­den. Wenn auf der anderen Seite jedoch die Ursachen für Kriegs- und Wirtschafts­flucht nicht näher beleuchtet wer­den, dann mutet das Vorge­hen der Medi­en eher als Heuchelei an.

Bei den pri­vat­en Medi­en sieht es nicht anders aus. Erst der Neolib­er­al­is­mus, ein ent­gren­zter und dereg­uliert­er Kap­i­tal­is­mus, ermöglicht unver­schämten Reich­tum. Auf der ganzen Welt gibt es derzeit nur 2.000 Dol­larmil­liardäre, allerd­ings mit steigen­der Ten­denz, was man auch als Beweis für den Siegeszug dieser Wirtschafts­form ver­ste­hen kann (vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/220002/umfrage/anzahl-der-dollar-milliardaere-weltweit/). Wenn vier Mil­liardäre die ein­flussre­ich­sten Print­me­di­en und pri­vat­en Fernseh- sowie Radiosender mit der größten Reich­weite in Deutsch­land kon­trol­lieren, dann kön­nen diese Medi­en nicht poli­tisch neu­tral sein und müssen dem recht­en Lager zuge­ord­net wer­den. Auch dieser logis­che Schluss gebi­etet der gesunde Men­schen­ver­stand, selb­st wenn Zeitun­gen und Zeitschriften wie die Süd­deutsche Zeitung, Der Spiegel oder der Stern von manchen Medi­en­forsch­ern als ten­den­ziell links ein­ge­ord­net wer­den. Kein Unternehmer geht gegen ökonomis­che und poli­tis­che Grun­drich­tun­gen vor, auf Basis der­er sein Erfolg fußt.

Eigen­tümer von Medi­enkonz­er­nen und Rund­funkräte üben ihre Kon­trolle nicht aus, indem sie jeden einzel­nen Artikel eines Redak­teurs lesen und freigeben. Die poli­tis­che Aus­rich­tung und Steuerung von Medi­en­in­hal­ten erfol­gt wie in jedem anderen Großun­ternehmen über die Auswahl der jew­eili­gen Geschäfts­führung und, im Medi­en­bere­ich, der Chefredak­teure. Als die Süd­west­deutsche Medi­en Hold­ing 2008 den Mehrheit­san­teil an der Süd­deutschen Zeitung über­nahm, wurde die Geschäfts­führung des Süd­deutschen Ver­lages „neu aufgestellt“ (vgl. https://www.swmh.de/presse/pm-swmh-neue-fuehrung/). Der Fall des ehe­ma­li­gen ZDF-Chefredak­teurs Niko­laus Bren­der zeigt, wie Regierungspoli­tik­er direk­ten Ein­fluss auf die Abset­zung unlieb­samer Ver­ant­wortlich­er bei öffentlich-rechtlichen Medi­en­anstal­ten nehmen. Bren­der hat­te u.a. 2003 mit seinem Team beim ZDF die Behaup­tung der US-Regierung hin­ter­fragt, der Irak besäße Massen­ver­nich­tungswaf­fen, was ins­beson­dere von führen­den CDU- und CSU-Poli­tik­ern als amerikafeindliche Berichter­stat­tung gew­ertet wurde (vgl. http://www.deutschlandfunk.de/zdf-staatsvertrag-der-fall-brender-und-die-freiheit-des.724.de.html?dram:article_id=322898).

Der Fall Bren­der weist auf eine weit­ere, informelle Kon­trolle der deutschen Leitme­di­en hin, die von deren Eigen­tümern bzw. Kon­trol­linstanzen zumin­d­est toleriert, wenn nicht sog­ar aus­drück­lich gewün­scht wird. Deutsche Top-Jour­nal­is­ten öffentlich-rechtlich­er und pri­vater Leitme­di­en eben­so wie deutsche Führungspoli­tik­er sind in transat­lantis­che Lob­by­or­gan­i­sa­tio­nen und Think Tanks wie zum Beispiel die Atlantik-Brücke (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Br%C3%BCcke), die Bilder­berg-Kon­ferenz (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz) oder die Tri­lat­erale Kom­mis­sion einge­bun­den (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Trilaterale_Kommission). Das Ziel dieser Organ­i­sa­tio­nen ist es, dafür zu sor­gen, dass die geostrate­gis­chen Posi­tio­nen und Aktio­nen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Geopolitik#Angloamerikanische_Geopolitik) der Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka medi­al flankiert und ggf. gedeckt wer­den. Anders aus­ge­drückt: Die west­lichen Medi­en inklu­sive der deutschen sind ein gezielt genutztes und kon­trol­liertes Pro­pa­gandain­stru­ment der US-amerikanis­chen Außen­poli­tik (vgl. https://swprs.org/die-propaganda-matrix/).

Für Men­schen, die sich auss­chließlich über Main­stream-Medi­en informieren, klingt diese Fest­stel­lung so absurd, dass sie diese automa­tisch in dem Bere­ich ver­schwörungs­the­o­retis­ch­er Aluhut­träger verorten. Dass Ergeb­nisse von Forschun­gen an US-amerikanis­chen und europäis­chen Uni­ver­sitäten diese Sichtweise bestäti­gen, ist den meis­ten Men­schen unbekan­nt, da die daraus gewonnenen Erken­nt­nisse von den Main­stream-Medi­en größ­ten­teils her­aus­ge­filtert wer­den. Eine reflex­ive Medi­enkri­tik wird man inner­halb eines Medi­ums kaum find­en, denn jede Zeitung sowie jed­er Fernseh- und Radiosender behaupten von sich, wahrhaftig zu bericht­en. Um eine möglichst neu­trale Posi­tion einzunehmen, muss man sich der akademis­chen Forschung zuwen­den. Bere­its Ende der 1980er Jahre veröf­fentlicht­en Noam Chom­sky und Edward Her­man das Pro­pa­gan­damod­ell, in dem sie fünf ver­schiedene Eigen­schaften der Medi­enin­dus­trie beleucht­en, die eine Ein­flussnahme ein­er elitären Ober­schicht auf die Berichter­stat­tung begün­sti­gen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Propagandamodell). 2014 erschien die Dis­ser­ta­tion von Uwe Krüger mit dem Titel „Mei­n­ungs­macht“, in der unter­sucht wird, wie die per­sön­liche Ver­flech­tung in Eliten­net­zw­erke der fünf Top-Jour­nal­is­ten Markus Schächter (ZDF-Inten­dant), Klaus-Dieter Franken­berg­er (ver­antw. Redak­teur für Außen­poli­tik der F.A.Z.), Ste­fan Kor­nelius (Ressortleit­er Außen­poli­tik der Süd­deutschen Zeitung), Michael Stürmer (Chefko­r­re­spon­dent der Welt), Josef Joffe (Mither­aus­ge­ber der Zeit) sowie weit­er­er Jour­nal­is­ten in hohen Posi­tio­nen Ein­fluss auf ihre Berichter­stat­tung zugun­sten höher­er Mil­itäraus­gaben und mehr mil­itärisches Engage­ment von Deutsch­land hat (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Kr%C3%BCger).

Wahrhaftigkeit

In ein­er Umfrage der US-amerikanis­chen Zeitung Wash­ing­ton Post, die zwis­chen dem 07. und 11. August 2003 durchge­führt wurde, gaben 69 % der befragten Amerikan­er an, dass der irakische Präsi­dent Sad­dam Hus­sein direkt in die Anschläge vom 11. Sep­tem­ber 2001 involviert gewe­sen war (vgl. http://www.washingtonpost.com/wp-srv/politics/polls/vault/stories/data082303.htm). Die Wash­ing­ton Post, eines der wichtig­sten Leitme­di­en in den USA, begrün­det diesen Irrglauben damit, dass führende Regierungsmit­glieder und Berater wie George W. Bush, Dick Cheney und Richard Per­le in ihren Reden und State­ments im Vor­feld des Angriffs auf den Irak, der am 20. März 2003 begann, immer wieder eine Verbindung zwis­chen Al-Qai­da und dem Irak hergestellt hät­ten (vgl. https://www.washingtonpost.com/archive/politics/2003/09/06/hussein-link-to-911-lingers-in-many-minds/7cd31079-21d1-42cf-8651-b67e93350fde/). Doch diese Begrün­dung lässt einen entschei­den­den Aspekt aus: Das Mei­n­ungs­bild der Amerikan­er fußt fast auss­chließlich auf der Berichter­stat­tung der Medi­en. Wäre die Berichter­stat­tung der amerikanis­chen Medi­en unab­hängig und neu­tral gewe­sen und hätte sie auf Wahrhaftigkeit fokussiert, wären die Amerikan­er darüber informiert gewe­sen, dass die Behaup­tun­gen der Bush-Admin­is­tra­tion bere­its zum Zeit­punkt der Äußerung nicht im Ger­ing­sten mit der Fak­ten­lage übere­in­stimmten und dass führende Oppo­si­tion­spoli­tik­er wie Al Gore und Don­na Brazile von der Demokratis­chen Partei die Verbindung zwis­chen dem Irak und Al-Qai­da als Kriegslüge eingeschätzt hat­ten. Die zu 69 % falsch informierte US-amerikanis­che Öffentlichkeit ist eine „Smok­ing Gun“ für die ein­seit­ige, abhängige und unwahrhaftige Berichter­stat­tung der US-amerikanis­chen Medi­en.
Auch hin­sichtlich der Berichter­stat­tung deutsch­er Leitme­di­en zu bedeu­ten­den The­men des zeit­genös­sis­chen Welt­geschehens find­en sich immer wieder Belege für eine ein­seit­ige und nicht neu­trale Darstel­lung. Forsch­er und Kon­trol­linsti­tu­tio­nen kri­tisieren regelmäßig diesen Umstand und liefern sog­ar empirische Beweise.

Griechen­land­krise

Für eine Studie der Otto Bren­ner Stiftung aus dem Jahr 2016 unter­sucht­en Kim Otto, Pro­fes­sor für Wirtschaft­sjour­nal­is­mus an der Uni­ver­sität Würzburg, und sein Team die kom­plet­ten Nachricht­en­mel­dun­gen von ARD und ZDF zur Griechen­land­krise im Jahr 2015. Bei der empirischen Auswer­tung ihres Daten­ma­te­ri­als kom­men sie zu dem Schluss, dass die Berichter­stat­tung der Nachricht­enredak­tio­nen bei­der öffentlich-rechtlichen Fernse­hanstal­ten zulas­ten der griechis­chen Regierung unaus­ge­wogen und nicht neu­tral war sowie eine man­gel­nde ana­lytis­che Qual­ität aufwies (vgl. https://www.otto-brenner-shop.de/publikationen/obs-arbeitshefte/shop/die-griechen-provozieren-ah87.html).

Ukraine-Kon­flikt

Der Pro­gramm­beirat der ARD, eine bera­tende Kon­trol­linstanz aus Vertretern der Lan­desanstal­ten des öffentlich-rechtlichen Senders, welche die Inter­essen der Zuschauer vertreten soll, kri­tisierte auf sein­er Sitzung im Juni 2014 die ARD-Berichter­stat­tung zum Ukraine-Kon­flikt als vor­ein­genom­men sowie ten­den­ziell gegen Rus­s­land und rus­sis­che Posi­tio­nen gerichtet. Eine inhaltliche Zusam­men­fas­sung des nicht mehr öffentlich zugänglichen Pro­tokolls der Sitzung find­et sich auf Tele­po­lis (vgl. https://www.heise.de/tp/features/Ukraine-Konflikt-ARD-Programmbeirat-bestaetigt-Publikumskritik-3367400.html). Auf Anfrage von Tele­po­lis lautete die Reak­tion der ARD: „Wichtige Entschei­der wie der Inten­dant Tom Buhrow und der Fernse­hdi­rek­tor Jörg Schö­nen­born, bei­de aus dem WDR, wer­ben intern offen­siv für eine redak­tionelle Lin­ie, die sich darauf konzen­tri­ert, die ‚west­lichen Posi­tio­nen zu vertei­di­gen‘“ (Zitat aus dem Tele­po­lis-Artikel). Jörg Schö­nen­born ist Mit­glied der Atlantik-Brücke (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Sch%C3%B6nenborn). Tom Buhrow ste­ht der Atlantik-Brücke nahe (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Buhrow#Mitgliedschaften_und_Funktionen).

Flüchtlingskrise

In ein­er weit­eren Studie der Otto Bren­ner Stiftung aus dem Jahr 2017 unter­sucht­en Michael Haller, Pro­fes­sor für All­ge­meine und Spezielle Jour­nal­is­tik und Wis­senschaftlich­er Direk­tor des Europäis­chen Insti­tuts für Jour­nal­is­mus- und Kom­mu­nika­tions­forschung an der Uni Leipzig, und sein Team die Berichter­stat­tung zur Flüchtlingskrise in den Leitme­di­en F.A.Z., Süd­deutsche Zeitung, die Welt und Bild, in über 80 ver­schiede­nen Region­al- und Lokalzeitun­gen sowie in den Online-Zeitun­gen focus.de, tagesschau.de und Spiegel Online (vgl. https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/Aktuelles/AH93/AH_93_Haller_Web.pdf). Auszug aus den Ergeb­nis­sen der Studie:

  • S. 134, Punkt 7: „Die Berichter­stat­tung in den drei Leitme­di­en [Süd­deutsche, FAZ, die Welt] ist zu großen Teilen auf die (partei)politische Are­na der Koali­tion­spart­ner fix­iert. Diejeni­gen, die sich in den Behör­den und Ein­rich­tun­gen um die Bewäl­ti­gung der unge­heuren Auf­gaben und Prob­leme des Vol­lzugsall­t­ags küm­merten, erscheinen aus der medi­al ver­mit­tel­ten Sicht der poli­tis­chen Elite als nicht rel­e­vant.“
  • S. 134, Punkt 8: „Der jour­nal­is­tis­che Qual­itäts­grund­satz, aus neu­traler Sicht sach­lich zu bericht­en, wird in rund der Hälfte der Berichter­stat­tun­gen nicht durchge­hal­ten. Ins­beson­dere die Art und Weise, wie über die Posi­tion­ierung eines Poli­tik­ers berichtet wird, ist oft­mals wer­tend und beurteilend, bei Vertretern der Oppo­si­tion mitunter auch „von oben herab“. Zudem schreiben die Kor­re­spon­den­ten nicht sel­ten in ein­er Dik­tion, die per­sön­liche Nähe, auch Ver­trautheit zur poli­tis­chen Elite sug­geriert (auk­to­ri­aler Duk­tus).“

Syrien-Kon­flikt

Das schweiz­er Forschungs- und Infor­ma­tion­spro­jekt zu geopoli­tis­ch­er Pro­pa­gan­da „Swiss Pro­pa­gan­da Research“ veröf­fentlichte im Juni 2016 eine Fall­studie zur Berichter­stat­tung in der Syrien-Krise von jew­eils drei Leitme­di­en im Print­bere­ich aus Deutsch­land (die Welt, die Süd­deutsche Zeitung, F.A.Z.), Öster­re­ich (der Stan­dard, der Kuri­er, die Presse) und der Schweiz (Neue Zürcher Zeitung, Zürcher Tage­sanzeiger, Basler Zeitung) im Zeitraum zwis­chen dem 01. und 15. Okto­ber 2015 (vgl. https://swprs.org/der-propaganda-multiplikator/). Der Fokus der Studie lag auf der Über­nahme von Mel­dun­gen von den inter­na­tionalen Nachricht­e­na­gen­turen Reuters, AFP und AP sowie nationalen Agen­turen wie DPA. Ins­ge­samt wur­den 381 Artikel unter­sucht. Die Ergeb­nisse:

  • 55 % Artikel waren reine Agen­turmel­dun­gen, 23 % waren Berichte, die auf Agen­turmel­dun­gen basierten, 9 % waren Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen, 10 % Mei­n­un­gen und Kom­mentare, 2 % Inter­views und 0 % inves­tiga­tive Recherche.
  • Die Auswer­tung der Kom­mentare und Inter­views ergab: 82 % der Beiträge waren grund­sät­zlich USA/­NA­TO-fre­undlich, 16 % aus­ge­wogen und 2 % über­wiegend USA/­NA­TO-kri­tisch.
  • Von den­jeni­gen Artikeln, in denen Pro­pa­gan­da ange­sprochen wurde, bezichtigten 85 % Rus­s­land der Pro­pa­gan­da, 15 % waren neu­tral bzw. aus­ge­wogen und 0 % sahen Pro­pa­gan­da auf der Seite von USA und NATO.

Ob in der Schule, im beru­flichen Bere­ich oder unter Natio­nen: Wer die Ursachen, Motive und Antreiber eines Kon­flik­ts iden­ti­fizieren will, der muss sich zumin­d­est mit den Posi­tio­nen aller Kon­flik­t­part­ner auseinan­der­set­zen. Wer nur auf eine Seite des Kon­flik­ts fokussiert, ent­fer­nt sich von der Wahrheit und wird unweiger­lich zu einem Teil des Kon­flik­ts.

Faz­it

Viele Bürg­er in Deutsch­land haben ein ungutes Gefühl hin­sichtlich der steigen­den glob­alen Durch­schnittstem­per­atur, der immer häu­figer auftre­tenden Weltwirtschaft­skrisen, der steigen­den Armut in den reichen Indus­trielän­dern, der inter­na­tionalen Kon­flik­te sowie der steigen­den Rüs­tungsaus­gaben. Dass der Kap­i­tal­is­mus bzw. seine ent­gren­zte und dereg­ulierte Form, der Neolib­er­al­is­mus, eine große Rolle bei diesen exis­tenzbedro­hen­den Prob­le­men spielt und dass die USA sowie mit­tler­weile auch die NATO-Staat­en die größten Kriegsverur­sach­er und Treiber in den aktuellen inter­na­tionalen Kon­flik­ten sind, kommt hinge­gen nur weni­gen in den Sinn. Dafür sorgt eine vom Kap­i­tal­is­mus abhängige, von transat­lantis­chen Net­zw­erken bee­in­flusste und die Sicht der Eliten begün­sti­gende Berichter­stat­tung fast des gesamten deutschen Medi­en­mark­ts. Mith­il­fe geziel­ter Manip­u­la­tion und Desin­for­ma­tion der Medi­en über Selek­tion, Gewich­tung der Infor­ma­tio­nen, Sprach­wahl und Auswahl visueller Ein­drücke (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Medienmanipulation, http://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf) wer­den tat­säch­liche Hin­ter­gründe und Zusam­men­hänge bewusst ver­schleiert.

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